Mike Gordens Autorenseite


Maurice Belloumi

ist Jahrgang 1985 und wohnt in der rue Bernard Tétu im 19. Arrondissement. Alles andere, als ein 'Du' wäre ihm vermutlich peinlich. Seine heutigen Freunde nennen ihn 'Maurice'. Die früheren Freunde aus der Vorstadt rufen ihn 'Rice'. Maurice reagiert darauf ähnlich allergisch, wie Mike Peters auf die Anrede 'Michel'. Georges Lefebvre, sein vorgesetzter Kommissar, nennt ihn oft nur 'Belloumi'. Eine Anrede, die Maurice ebenfalls mehr toleriert, als daß sie ihn begeistert.

Die Kurzfassung: Wer ihn anders nennt, als Maurice, gefährdet seine Gesundheit, wenn er kein Vorgesetzter ist. Maurice kann sehr aufbrausend sein, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Glaubt mir, ihr wollt das nicht erleben!

Sonst ist Maurice aber der liebste Mensch der Welt und Frauen gegenüber ist er richtig charmant. Marie Bouesnard, Mikes Büroleiterin, ist geradezu hingerissen von ihm. Vor allem kann er der sein, der von allen hier vorgestellten Personen einem Freund am nächsten kommt. Maurice hat nicht viele Freunde, aber wen er in diesen Kreis erwählt, kann sich glücklich schätzen und hat jemanden gefunden, der gemeinsam durch die Hölle mit ihm geht. Du solltest Dich auch glücklich schätzen, denn wenn Du ihn mit all seinen Marotten nicht respektierst, kann er sehr aufbrausend sein und – glaube mir – das willst Du nicht erleben.

Er stammt aus den Pariser Banlieues und hat einen algerischen Vater, der aus Oran eingewandert ist und seine Familie mit Verachtung und Brutalität behandelt. Maurice haßt seinen Vater, wurde früh rebellisch und galt als schwer erziehbar. Den Schulabschluß schaffte er mit Mühe und mit Hilfe seines Mathematiklehrers Monsieur Dupont, der seine Begabung erkannte und förderte. Maurice würde dieses Verhältnis eher als ein gegenseitiges in-Ruhe-lassen bezeichnen, aber da man Maurice nur entweder hassen oder lieben kann, ist diese Wahrnehmung der Dinge nur die von Maurice.

Maurice entzieht sich früh dem Zugriff seines Vaters, indem er sich 2003, unmittelbar nach seinem 18. Geburtstag, beim Militär (der Gendarmerie nationale) verpflichtet. Maurice scheidet 2008 nach dem Ende seiner Dienstzeit aus dem Militär aus, weil er die Aufnahmeprüfung für die Groupe d’intervention de la gendarmerie nationale (GIGN) nicht schafft, was ihn zu Anfang ziemlich frustriert. Selbst, wenn Du ihn heute darauf ansprichst, kann er noch sehr aufbrausend werden und – sagte ich schon, daß Du das nicht erleben willst?

Später wechselt er in den zivilen Bereich zum Verbindungsbüro (zur Gendarmerie Nationale) im Justizpalast Paris. Da er wegen seiner stacheligen Persönlichkeit oft aneckt, bleibt er nie lange an einem Platz. Über die Kommissariate mehrerer Arrondissements gelangt er schließlich ins Marais.

Jetzt kommt er zum ersten Mal in seinem Leben ein wenig zur Ruhe. Die Mischung an Leuten, die hier in Frieden miteinander leben, beeindruckt ihn, der selbst Halbaraber ist, sehr. Daß es sich um den Pariser Stadtteil handelt, in dem sich auch die Schwulenszene konzentriert, ist ihm ganz recht. Gibt es ihm doch die Möglichkeit, wochenends seine dunklen Gelüste in den Hinterzimmern der hiesigen Clubs auszutoben.

Maurice würde sich nie als schwul bezeichnen. Er macht eben Sex mit Männern. Das ist etwas völlig anderes. Er braucht das, um sich abzureagieren. So, wie andere Sport treiben eben. Sport macht Maurice auch und seine Körperkraft ist erstaunlich. Weise ihn aber nie auf seine Widersprüche hin, denn er kann sehr aufbrausend sein und… das hatten wir schon.

Maurice besitzt außer seiner Körperkraft noch weitere Fähigkeiten. So ist sein Geruchssinn außerordentlich scharf entwickelt und er ist in der Lage einen einmal aufgenommenen Geruch für immer in seinem Gedächtnis zu speichern. Seine Intuition kommt meist etwas rustikal daher, ist aber erstaunlich treffsicher. Er arbeitet am liebsten alleine und tut sich schwer mit der Teamarbeit, die er bei der Kripo leisten muß.

Maurice spricht kein Hochfranzösisch. Er ist stolz darauf und hat mich sehr nachdrücklich gebeten, das auch in unseren Texten abzubilden. Ich tue mein Bestes und bin gleichzeitig froh, daß Maurice meine Übersetzung nicht lesen kann, denn sein Temperament… ach, was soll's!