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Walter Stein

Professor Dr. Walter Stein ist Jahrgang 1953 und wohnt in der Rue Saint-James in Neuilly-sur-Seine. Er arbeitet am Institut Henri Poincaré und hält Vorlesungen an der Universität Paris VI/VII. Geboren wurde er in Melbourn, einem Städtchen im Südwesten von Cambridge.

Walter stammt aus wohlhabenden Verhältnissen und wuchs behütet und ohne Geldsorgen auf. Als Engländer ist ihm das Konzept von 'Du' und 'Sie' fremd. Ich habe mich mit ihm nach längerer Diskussion auf ein 'Walter' und 'Sie' geeinigt.

In seinen ersten Lebensjahrzehnten ist Walter eher bodenständig. Auf seine Freunde wirkt er gelegentlich so, als hätte er sich aus der realen Welt abgekoppelt. Anstatt dutzende Bewerbungen für die verschiedensten Universitäten zu schreiben, wie es seine Mitschüler tun, bewirbt er sich lediglich in Cambridge. Wegen seiner herausragenden mathematischen Begabung geht diese Strategie sogar auf. Während des Studiums fasziniert ihn aber auch immer mehr die Physik und dort vor allem die Astrophysik.

In dieser Zeit trifft er zum ersten Mal auf Klotho Papantoniou, eine Frau, die in seinem späteren Leben eine große Rolle spielen wird. Sie ist mehrere Jahre älter als er und betreut einige seiner Kurse bei Professor von Oertzen. Beide sind unter den Gründungsmitgliedern des CSU, eines neuen Studentenbundes und lernen sich bei der gemeinsamen Arbeit näher kennen. Die Frage, ob sie sich lieben, wird keine(r) von beiden jemals mit einem klaren 'ja' oder 'nein' beantworten können, aber zwischen beiden gibt es eine Basis großen gemeinsamen Vertrauens, an der es gelegentlich auch knistert.

Walter lernt von Klotho, daß man politisch arbeiten muß, wenn man Zustände ändern will, die einem nicht passen. Diese politische Arbeit zieht sich Walters späteres akademisches Leben. Er verbringt in den Achtzigern einige Jahre in den Staaten. Da er nicht nur ein ausgezeichneter Wissenschaftler ist, sondern seine Kenntnisse auch gut und anschaulich vermitteln kann, ist er an jedem seiner Lehrstühle bei den Studenten sehr beliebt und seine Vorlesungen sind immer voll.

Die gleiche Beliebtheit genießt er aber nicht bei seinen Fachkollegen, denn er sagt auch gerade heraus, wenn ihm etwas nicht paßt. Als er dahinterkommt, daß einige seiner Kollegen im Gegenzug zu einer großzügigen Finanzierung durch verschiedene Industriebetriebe eine Maulkorbklausel unterschrieben haben und wichtige Forschungsergebnisse deswegen nicht veröffentlichen, macht er sich zur persona non grata, als er dies öffentlich kritisiert. Eines der beteiligten Unternehmen lanciert einen Artikel in einem populärwissenschaftlichen Magazin, in dem Walter diffamiert wird, und droht der Universität zeitgleich mit einer Millionenklage wegen Rufmordes. Die Universitätsleitung knickt ein und Walter wird gezwungen, seinen Hut zu nehmen.

Walter geht nach Europa zurück, wo die Kontrolle der wissenschaftlichen Forschung in etwas geordneteren Bahnen abläuft. Er findet seine zweite Heimat in Frankreich. Der Start wird ihm durch Klotho erleichtert, die ihm mit ihren Beziehungen eine Professur in Paris verschafft.

Ein gewisser Geheimbund spielt in den kommenden Jahren ebenfalls eine Rolle in Walters Leben. Walters akademischer Ruf hat unter den Geschehnissen in den Staaten gelitten und es bedarf einiger Mühen, um das wenigstens in Europa vergessen zu machen. Moíras stets brandaktuelle Informationen sind Walter eine große Hilfe auf seinem Weg, sich wieder in der Forschungswelt zu etablieren.

Zu Wissenschaftlern und Institutionen in den Vereinigten Staaten herrscht noch längere Zeit Funkstille. Nur zu einigen leitenden Wissenschaftlern in der NASA pflegt er weiterhin freundschaftlichen Kontakt. Dort sieht man die Umstände, die zu seiner Entlassung geführt haben, erfreulicherweise etwas differenzierter, als in der akademischen Öffentlichkeit.

Diese Verbindung ist durchaus zu beiderseitigem Vorteil. Anfang 1986 verhindert eine Fehlfunktion, die Walter in der Konzeption der Analysesoftware der Galileo Sonde findet, daß sie von der Raumfähre Challenger ins All gebracht wird. Ein Scheitern auch noch dieser Schlüsselmission hätte nach der Challenger Katastrophe die Existenz der ganzen NASA gefährdet.

Walter spezialisiert sich in den folgenden Jahrzehnten auf Details des kosmologischen Standardmodelles, das die Entstehung des Universums nach einem 'Urknall' beschreibt. Er erforscht den von dort zurückgebliebenen allgegenwärtigen Hintergrund an Mikrowellenstrahlung und sucht nach Zusammenhängen mit Strukturen des sichtbaren Kosmos. Hierzu stellt er eine Reihe von Theorien auf, die zwar unter seinen Studenten heiß diskutiert werden und ihn fachlich in den Rang einer Koryphäe aufsteigen lassen, letztlich aber daran kranken, daß sich diese Art Theorien äußerst schwer beweisen lassen.

Dies ändert sich erst 2016, als er durch seine Kontakte zur NASA in den Besitz neuer Satellitendaten kommt…